Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen 2016: Datenlage, das Interview mit UN-Sonderbeobachterin Dubravka Šimonović und Pressemeldung des AKF

„Gewalt gegen Frauen findet tagtäglich statt – unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialem Milieu. Dabei sind Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in besonderem Maße von Gewalt betroffen. Umso wichtiger ist es, das Schweigen und das Wegsehen zu überwinden und das Thema weiter in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken“, so Bundesministerin Manuela Schwesig anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen.

Die Datenlage

Im Jahr 2015 wurden durch ihre Partner oder Ex-Partner insgesamt 127.457 Personen Opfer von Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexueller Nötigung, Bedrohung und Stalking, davon knapp 82% Frauen.

Das sind über 104.000 Frauen, die von Partnerschaftsgewalt betroffen waren. Gemessen an der Gesamtzahl weiblicher Opfer in den Bereichen Mord und Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung, sexueller Nötigung, Bedrohung und Stalking ist das ein Anteil von 36%.

In 2015 wurden in Deutschland Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt

  • von vorsätzlicher einfacher Körperverletzung: über 65.800
  • von Bedrohung: über 16.200
  • von gefährlicher Körperverletzung: über 11.400
  • von Stalking: über 7.900
  • von Mord und Totschlag: 331.

Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung in Partnerschaften sind die Opfer zu fast 100% weiblich, bei Stalking und Bedrohung in der Partnerschaft sind es fast 90%. Bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung sowie bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen sind es 80%. (Quelle: Pressemitteilung des Bundesfamilienministeriums Pressemitteilung 106 Veröffentlicht am 22.11.2016)

Weiterhin ist von hohen Dunkelzahlen auszugehen. Es bleibt sehr viel zu tun.

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen veröffentlicht der AKF das Interview „Global Femicide Watch: Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen sichtbar machen und vermeiden“ mit Dubravka Šimonović, UN-Sonderberichterstatterin zu Gewalt gegen Frauen, in deutscher Sprache.

Beim Empfang im Bundesfrauenministerium haben Dr. Dagmar Hertle, 1. Vorsitzende des AKF und Karin Bergdoll, 2. Vorsitzende des AKF, Bundesministerin Manuela Schwesig das Interview mit UN-Sonderbotschafterin Dubravka Šimonović persönlich überreicht.

Beim Empfang im Bundesfrauenministerium anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen haben Dr. Dagmar Hertle, 1. Vorsitzende des AKF, und Karin Bergdoll, 2. Vorsitzende des AKF, Bundesministerin Manuela Schwesig auch das Interview mit UN-Sonderbotschafterin Dubravka Šimonović persönlich überreicht und Positionen des AKF übermittelt. Bildnachweis: BMFSFJ

Presseerklärung des AKF zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen 2016

Die UN-Sonderberichterstatterin forderte bereits im letzten Jahr alle Staaten auf, eine „Femizid Watch“ bzw. „Gender-Related Killing of Women Watch“ (Register zur Beobachtung geschlechtsbedingter Morde an Frauen) zu etablieren und die Daten  öffentlich zu machen.

Dubravka Šimonović betonte, dass Staaten sich verpflichten müssen, geschlechtsspezifische Tötungen von Frauen zu verhindern:

„Gewalt gegen Frauen ist die grausamste Manifestation systematischer und weit verbreiteter Diskriminierungen und Ungleichheiten, die Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt fortgesetzt erleben. Frauen und ihre Kinder sind weiterhin Opfer von geschlechtsbezogenen Tötungen, bei denen sie in oft grausamer Weise sterben.“

Defizite bei nationalen Präventionssystemen, fehlende angemessene Risikobewertung und eine schlechte  oder fehlende Datenbasis gehörten zu den wesentlichen Hindernissen bei der Verhinderung geschlechtsbezogener Tötungen von Frauen. Diese Defizite führten zu falschen Ergebnissen bei der Evaluation, zu Verschleierung und fehlender Erfassung von geschlechtsmotivierten Morden, wodurch die Straflosigkeit für diese Tötungen verewigt würde, so Šimonović.
Ebenso müssten sinnvolle Präventionsstrategien weiter ausgebaut werden.

Die Daten sollten aufgeschlüsselt sein nach Alter und Geschlecht der Täter sowie der Beziehung zwischen Täter und Opfer. Informationen über die Verfolgung und Bestrafung der Täter sollten  gesammelt und veröffentlicht werden.

Die Präsentation der Daten sollte alljährlich im Zusammenhang mit dem Projekt 16 Tage zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen präsentiert werden und zu öffentlichen Diskussionen zu Maßnahmen zur Verhinderung  gewaltsamer Todesfälle von Frauen führen.

Wichtig sei es, jeden einzelnen Fall von geschlechtsbezogener Tötung sorgfältig auf das Versagen von Schutzmaßnahmen hin zu analysieren sowie Möglichkeiten der Verbesserung und Entwicklung präventiver Maßnahmen zu identifizieren.

Dubravka Šimonović forderte außerdem, dass bei der Dokumentation, Analyse und Veröffentlichung dieser Daten der Staat mit NGOs und unabhängigen Menschenrechtsinstitutionen in diesem Bereich zusammenarbeitet, unter Einbeziehung von Wissenschaft, OpfervertreterInnen sowie den einschlägigen internationalen Organisationen. Eine internationale Veröffentlichung zur Vergleichbarkeit der Daten und zur Weiterentwicklung wird auf UN-Ebene verfolgt.

Der AKF fordert die verantwortlichen staatlichen Stellen auf, sich im Interesse von Frauen an den im Rahmen der UN vorgeschlagenen Beratungen zu beteiligen und  in Deutschland, neben den bereits realisierten Maßnahmen, weitere Aktivitäten zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen zu unterstützen.

Mehr zum Thema

UN rights expert calls all States to establish a “Femicide Watch”

Downloads

Presseerklärung des AKF zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen 2016 (pdf)

Global Femicide Watch: Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen sichtbar machen und vermeiden (pdf)

 

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